In einem fernöstlichen Land kaufte der Reisende in einem abseits gelegenen kleinen Dorf einen Magneten. Nicht, weil er Magnete sammelte, sondern um dem alten Greis ein paar Münzen zu geben.

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Der Mann war von Armut gezeichnet, doch aus seinen Augen strahlte eine unbeschreibliche Glückseligkeit, die den Reisenden länger festhielt als jedes Souvenir.

Auf dem Heimweg kam ihm der bereits vergessene Magnet wieder in den Sinn. Warum hatte der alte Greis ausgerechnet Magnete verkauft? So abgelegen, so fern vom Tourismus?

Die Fragen wurden schwer, machten müde, und so schnell sie gekommen waren, verschwanden sie wieder im Schlaf.

Knapp einen Monat lang fand der Magnet seinen Platz auf einer magnetischen Pinnwand im Hausflur. Als der Umzug in das benachbarte Dorf geschafft war, bekam er einen neuen Ort: halbrechts oben am Kühlschrank.

Nach einem langen Tag, an dem Kartons von A nach B getragen worden waren, war es Zeit für ein Feierabendbier. Kühlschrank auf. Bier raus. Kühlschrank zu. Ein kurzes Blitzen störte den Moment.

Das Bier war noch in seiner Hand – doch er war nicht mehr in der neuen Wohnung.

Der Reisende stand vor einer alten, von Rost zerfressenen Eisentür. Mittig darauf haftete ein Magnet mit einer Sanduhr, die genau in diesem Moment umgedreht worden sein musste. Ohne einen Plan, ohne zu wissen, wo er war, trat er nach draußen.

Ein Schauer lief ihm über den Körper. Dieses Dorf kannte er. Hier hatte er seinen Kühlschrankmagneten gekauft.

Sofort machte er sich auf die Suche nach dem alten Greis vergangener Tage. Doch der kleine Laden, einst umhüllt von der stillen Glückseligkeit seines Besitzers, stand nun unscheinbar und verlassen da. Nur ein alter Stofffetzen hing an der Tür.

Darauf war ein Gesicht gezeichnet. Sein eigenes.

Darunter standen Worte, doch die Schrift war ihm fremd. Er riss den Fetzen herunter, steckte ihn ein und kehrte hastig zur Eisentür zurück. Dort sah er, wie das letzte Sandkorn in der Sanduhr nach unten fiel.

Ein Blitz.
Er stand wieder in seiner Wohnung, direkt vor dem Kühlschrank. Mit zitternden Fingern griff er nach dem Stofffetzen, fuhr zu einer Bekannten und ließ den Text übersetzen. Die Worte waren schlicht:

Mit genug Glück begegnen wir uns wieder.

Voller Ansporn, diese unbeschreibliche Glückseligkeit ein weiteres Mal zu spüren, stand er erneut vor dem geöffneten Kühlschrank. Er atmete tief durch, schloss die Tür voller Tatendrang – und schrie im Moment des Blitzes laut:

ICH WERDE DICH FINDEN!

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